Musik- und Mitmachradio

Kanal K – das Gemeinschaftsradio

Wo wir herkommen – und wie wir organisiert sind

Geschichte
Alles begann – wie vieles in der Schweiz – langsam und mit einem Versuch Mitte der 80er Jahre. Im Aargau in einer Rundfunkversuchsphase ein halbes Dutzend Sender in der Schweiz in Betrieb, ausschliesslich zur Probe versteht sich. Der Bund wollte mit diesem Experiment herausfinden, ob sich private Radiostationen finanziell über Wasser halten können. Der Aargau blieb damals carte blanche, ein weisser Fleck im Mediendschungel. Die Zeitungsverleger hatten erfolgreich gegen Privatradios opponiert, da sie einen Rückgang ihrer Werbeeinnahmen befürchteten. Ein Versuch also war nicht erlaubt, ein Kurzversuch dann schon. Radio ALORA startete einen Kurzversuch im Aargau, nachdem die Interessengemeinschaft Lokalradio Anfang Mai 1987 gegründet wurde. Ein Jahr später sendete Radio ALORA während sechs Wochenenden. ALORA bot nicht professionellen RadiomacherInnen ein Podium für freie Meinungsäusserung. Finanziert wurde der Kurzversuch mit Mitgliederbeiträgen, am Mischpult sassen Menschen, die der Meinung waren, etwas zu sagen zu haben. In der Folge wurden Privatradios auch im Aargau salonfähig. Radio Argovia von der Aargauer Zeitungsverlegerschaft und die ALORA-Crew mit dem neuen Konzept Aargauer Regionalradio erhielten eine Konzession. Problem: Für den Aargau stand nur eine Frequenz zur Verfügung. Die ungleichen Partner Argovia und Aargauer Regionalradio wurden gebeten, ein Time-Sharing-Abkommen nach den Guidelines der Aargauer Regierung zu unterzeichnen. Das nichtkomerzielle Aargauer Regionalradio sendete gemäss Time-Sharing-Vertrag ab 1. Mai 1990 von montags bis freitags je eine Viertelstunde und am Donnerstag drei Stunden auf derselben Frequenz wie Radio Argovia. »Mer schalted is us för di nächscht Viertelstond und überlönd die Frequenz em Aargauer Regionalradio«, so klang während sechs Jahren der Jingle auf 94,9 MHz jeden Abend um 20 Uhr. Die nächsten sieben Jahre gestalteten freiwillige RadiomacherInnen wöchentlich vier Stunden Programm zu Kultur und Politik und opferten ihre Freizeit für PR-Aktionen und die Programmentwicklung.
Bis am 1. April 1997 die Erlösung kam: Radio Kanal K wurde vom Bund als »Komplementärradio« für die nächsten zehn Jahre bewilligt – freie Frequenzen im Aargau gab es plötzlich auch. Der 24-Stunden-Betrieb brachte nicht nur inhaltlich einen Quantensprung. Heute wird auf fünf Etagen in drei Studios gearbeitet. Festangestellte mit rund 370 Stellenprozenten gewährleisten den Betrieb. Das Programm wird nach wie vor von freiwilligen RadiomacherInnen realisiert. Radio Kanal K wäre so, wie es heute funktioniert, nicht möglich ohne das Projekt »stage-on-air«. Es bietet für rund 20 Stellenlose die Möglichkeit, Radioarbeit am und hinter dem Mikrofon zu leisten und unterstützt damit das werbefreie Gemeinschaftsradio Kanal K wesentlich. Als nicht kommerzielles HörerInnenradio spielt Kanal K heute im Quasi-Monopol-Umfeld der Aargauer Verlegermedien eine noch wichtigere Rolle. Gegen 30 Ausländergruppierungen finden hier ihr eigenes Medium. Viele Jugendliche holen sich hier ihre Medienkompetenz nicht nur als Konsumenten.

Finanzen
Kanal K ist werbefrei! Das heisst, Radio Kanal K muss andere Wege gehen, um an die überlebensnotwendigen Betriebsgelder von rund 700'000 Franken jährlich zu kommen.
Für die besonderen Programmleistungen im Bereich HörerInnenradio erhält Kanal K vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) Gelder aus dem Gebührensplitting. Mit Radio Argovia, Tele M1 und Radio 32 wurde eine Zusammenarbeit im Ausbildungs- und Projektbereich vereinbart, die Kanal K entgolten wird. Ein weiteres wichtiges Standbein sind Kultursubventionen, welche von Institutionen wie zum Beispiel dem Aargauer Kuratorium beigesteuert werden.
Und last but not least gilt es, die aktiven und passiven SupporterInnen und HörerInnen von Radio Kanal K zu erwähnen, die mit ihren Mitgliederbeiträgen zum Überleben des Senders beitragen!

Organisation
Der Trägerschaftsverein »IG Regionalradio« besitzt 50% des Aktienkapitals von Radio Kanal K. Die anderen 50% der »Argaudio AG« verteilen sich auf Privatpersonen und Organisationen wie SP, VCS, Gewerkschaften und Kirchen. Fest angestellt sind zur Zeit sieben Personen (370 Stellenprozente) in den Bereichen Technik, Musikredaktion, Ausbildungsleitung, Programmleitung und Geschäftsleitung. Ein grosser Teil des Programms von Radio Kanal K wird von rund 250 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen gemacht, die unentgeltlich die verschiedenen Sendeschienen und Redaktionen leiten und/oder Sendungen produzieren. Der andere Teil des Programms wird von PraktikantInnen und TeilnehmerInnen des Programms zur vorübergehenden Beschäftigung »stage-on-air« gestaltet, welche im Sender mehrmonatige Ausbildungen durchlaufen.

Statuten der IG Regionalradio vom 28. Januar 1997

I. Sitz, Zweck und Mitgliedschaft
Art. 1    Unter dem Namen »Interessengemeinschaft Regionalradio« (auch »IG Regionalradio«) besteht ein Verein nach ZGB Art. 60 ff. mit Sitz in Aarau.
Art. 2    Die Verein unterstützt alle Bestrebungen zur Errichtung und zum Betrieb eines basisnah organisierten, demokratisch bestimmten, nicht-kommerziellen Lokalradios. Er kann sich an ähnlich gelagerten Gesellschaften, Organisationen und Vereinen beteiligen oder eine andersweitige Zusammenarbeit pflegen.
Art. 3    Der Verein steht natürlichen und juristischen Personen offen. Die Aufnahme wird vom Vorstand verfügt. Dieser kann die Aufnahme begründet verweigern. Die AntragsstellerIn ist in diesem Fall berechtigt, an die Vereinsversammlung zu rekurrieren. Für den Ausschluss eines Mitgliedes ist in jedem fall die Vereinsversammlung zuständig.

II. Organisation
Art. 4    Die Organe des Vereins sind:
a) die Vereinsversammlung
b) der Vorstand
c) die Arbeitsgruppen
d) die Kontrollstelle

a) Die Vereinsversammlung
Art. 5    Die Vereinsversammlung ist das oberste Organ und entscheidet in allen Fragen, die nicht ausdrücklich an ein anderes Organ delegiert worden sind. In jedem Fall hat in der ersten Hälfte des Kalenderjahres die Jahresversammlung stattzufinden. Diese hat namentlich folgende Geschäfte zu tätigen:
a) Abnahme des Jahresberichtes des Vorstandes;
b) Beschluss über das Arbeitsprogramm;
c) Verabschiedung von Rechnung und Budget;
d) Entlastung der Organe;
e) Wahlen, wobei der Vertretung beider Geschlechter in den Organen Rechnung zu tragen ist.
Art. 6    Die Vereinsversammlung muss vom Vorstand mit einer schriftlichen Einladung an die Mitglieder mindestens zwei Wochen im voraus einberufen werden. 1/5 der Mitglieder können beim Vorstand die Einberufung einer Vereinsversammlung innert 4 Wochen verlangen. Die Vereinsversammlung ist beschlussfähig, wenn die Einladung fristgerecht erfolgt ist.
Art. 7    Die Traktandenliste der Vereinsversammlung enthält die statutarischen Geschäfte, die Anträge des Vorstandes und alle Anträge von Mitgliedern, welche mindestens 4 Wochen vor der Vereinsversammlung beim Vorstand schriftlich eingereicht wurden. Die Vereinsversammlung kann die Aufnahme weiterer Traktanden beschliessen.

b) Der Vorstand
Art. 8    Der Vorstand des Vereins besteht aus mindestens 3 Personen. Ihm obliegt die Geschäftsführung, insbesondere:
a) Planung und Koordination der Tätigkeiten im Rahmen des Arbeitsprogramms;
b) Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit den Arbeitsgruppen;
b) Die Information der Mitglieder und der Öffentlichkeit;
c) Die Vertretung des Vereins gegen Aussen;
d) Die Vorbereitung der Vereinsversammlung;
e) Bericht über die Vereinstätigkeit zuhanden der Jahresversammlung;
e) Kassaführung und Buchhaltung.
Art. 9    Der Vorstand ist in der Aufteilung seiner Aufgaben frei. Er legt jedoch die Zuständigkeiten der einzelnen Mitglieder in einem Beschluss fest.
Art. 10    Der Vorstand ist beschlussfähig, wenn mindestens drei seiner Mitglieder anwesend sind.
Art. 11    Der Vorstand kann im Rahmen seiner Kompetenzen Aussenstehende mit besonderen Aufgaben betrauen.

c) Die Arbeitsgruppen
Art. 12    Die Vereinsversammlung kann Arbeitsgruppen, insbesondere zur Betreuung einzelner Sendegefässe, einsetzen. Die Einsetzung einer Arbeitsgruppe beinhaltet einen Beschluss über den Namen, den Auftrag, die Wahl von mindestens zwei Verantwortlichen und, soweit es sich nicht um eine ständige Arbeitsgruppe handelt, eine zeitliche Begrenzung.
Art. 13    Die Arbeitsgruppen können im Rahmen ihres Auftrages nach Orientierung des Vorstandes an die Öffentlichkeit treten.

d) Die Kontrollstelle
Art. 14    Die Kontrollstelle besteht aus ein bis zwei Personen. Sie revidiert die Vereinsrechnung und berät im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle Organe des Vereins in Belangen der Rechnungsführung, Buchhaltung und in juristischen Fragen. Die Vereinsversammlung kann eine externe Revisionsstelle mit diesen Aufgaben betrauen.

III. Finanzen
Art. 15    Die Finanzen des Vereins setzen sich aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und sonstigen Einnahmen zusammen. Die Höhe der Mitgliederbeiträge wird von der Vereinsversammlung bestimmt. Für die Verbindlichkeiten des Vereins haftet ausschliesslich das Vereinsvermögen.  

IV Geschäftsordnung
Art. 16    Die Termine der Sitzungen aller Organe werden auf geeignete Weise bekannt gegeben. Die Sitzungen sind für Vereinsmitglieder offen, Stimmrecht haben jedoch nur die gewählten Mitglieder des betreffenden Organs. Beschlüsse werden mit dem Mehr der stimmberechtigten Anwesenden gefällt. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme der vorsitzenden Person.
Art. 17    Alle Wahlen obliegen der Vereinsversammlung. Die Amtszeit beträgt ein Jahr. Die Wiederwahl ist möglich. Für vakante Sitze können an jeder Vereinsversammlung Nachwahlen durchgeführt werden.
Art. 18    Bei Bedarf erlässt die Vereinsversammlung eine detaillierte Geschäftsordnung für die betreffenden Organe.

V. Schlussbestimmungen
Art. 19    Diese Statuten wurden von der Vereinsversammlung vom 28. 1. 1997 in Kraft gesetzt. Sie können von der Vereinsversammlung durch Beschluss geändert werden.
Art. 20    Zur Auflösung des Vereins bedarf es einer Zweidrittelsmehrheit der Vereinsversammlung. Das Vermögen geht nach Auflösung an eine Institution gleicher oder ähnlicher Zweckbestimmung über.

IG-Vorstand (Stand 2011):
Einstimmig gewählt an der Vereinsversammlung der IG Regionalradio 2011:
Patrick Vogt, Pascal Heckendorn, Pascal Foelix, Michaela Wehrli, Michael Wettstein, Chris Garrett, Oliver Miescher, Leander Niessner , Gisella Rosato

beUserLogin) { $TSFE-