Sophie Hunger

Supermoon

Langsam schält sich eine hölzerne, zerfallene Veranda aus der Dunkelheit und im Lichtkegel der Taschenlampe sieht man die halboffene Eingangstür, die schief in den Angeln hängt. Das fünfte Album »Supermoon« der Schweizer Ausnahmekünstlerin Sophie Hunger wuchs im Kalifornischen San Francisco heran. Genauso vielfältig wie diese Stadt, in der sich die 32jährige eine Auszeit von ihrer Musikkarriere gönnte, sind auch die 12 Songs auf ihrem neuen Album. Eine Mischung aus Folk, Blues, Jazz, Pop und elektronischen Elementen begleitet uns auf einen Streifzug durch das alte Stadthaus und jedes Zimmer beherbergt einen neuen Song. Manche Zimmer sind offen und freundlich, mit farbigen Tapeten, andere dunkel mit geschlossenen Fensterläden und einer dicken Staubschicht am Boden. Einzelne musikalische Feinheiten tauchen im Lichtkegel der Taschenlampe auf und verschwinden wieder, bis sie vom nächsten Besucher entdeckt werden. »Supermoon« von Sophie Hunger ist der Beweis, dass Pop komplex und eingängig zugleich sein kann.

Freitag, 05. Juni, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »Supermoon« von Sophie Hunger

mehr Infos zum Album der Woche findest du hier.

Sophie Hunger - Supermoon

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

Jamie XX

In Colour

Eine Stadt taucht sich langsam ins Morgenrot der aufgehenden Sonne, einzelne Lichter blinken durch die Hochhäuserwelten. Der 26jährige Brite Jamie XX, Mitglied der gefeierten Indietronica-Band »The XX«,  liefert uns auf seinem Solo-Debut »In Colour« den Soundtrack für eine musikalische Sightseeing-Tour von der Tanzfläche durch die morgendlichen Strassen Londons. Ab und an dringen einzelne Geräusche der erwachenden Stadt in unseren Soundkosmos und verweben sich zu einem Klangteppich aus Dubstep und House, gelegentlichen Gesangs-Samples und melodischen Steel-Drums. Der erste Track »Gosh« ist gespickt mit Sprach-Samples einer alten Drum’n’Bass Sendung von BBC Radio 1. Der Song lässt keine Lücke offen, klingt aber nicht überladen. Im Stück »Loud Places« arbeitet Jamie XX, der mit bürgerlichem Namen Jamie Smith heisst, mit Romy Madley Craft zusammen, eines der drei Mitglieder von »The XX«. Der Sound auf Jamie XX’ erstem Solo-Album »In Colour« ist wie geschaffen für kleine Rückzugsoasen in Grossstädten.

Freitag, 29. Mai, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »In Colour« von Jamie XX

mehr Infos zum Album der Woche findest du hier.

Jamie XX - Gosh

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

Moskito

Maxilla

Das Luzerner Hip-Hop-Epizentrum schlägt, bzw. sticht wieder zu! Dieses Mal mit dem Trio Moskito und ihrem zweiten Studioalbum »Maxilla«. Die Hip-Hop-Combo von Luzi und Flew hat sich für ihr neues Album um Feliciano Ponce aka »Little Miss Sunshine« erweitert. Auf »Maxilla« rappen Moskito gesellschaftliche und selbstreflektierte Texte über einen Teppich aus Jazz-, Glitch- und Down-Tempo Beats. Mit ihren Songs zeichnen sie ein schwarz-weisses Bild unserer Gesellschaft und picken sich farbige Details heraus. Im Lied »Luftloch« spielen Moskito mit Gesangs-Samples und R’n‘B-Autotune-Parts, im Track »Big Mama« scheppert uns ein ungewohnt jazziges Drumset um die Ohren. Der Startschuss für die Band Moskito fiel schon 2012, als Luzi noch mit dem Luzerner Hip-Hop-Kollektiv »GeilerAsDu« unterwegs war, auf deren Album sie damals ihren ersten Track »Moskito« beisteuerten. Jetzt stacheln sie als Trio Moskito mit ihren Texten die Schweizer Hip-Hop-Szene an und haben mit ihrem Album »Maxilla« direkt ins Schwarze getroffen.

Freitag, 22. Mai, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »Maxilla« von Moskito

mehr Infos zum Album der Woche findest du hier.

Moskito - Luftloch

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

Album der Wocke KW 21/2015

Róisín Murphy

Hairless Toys

Mit dem Blick auf den Boden gerichtet, tanzt die irische Sängerin Róisín Murphy auf ihrem dritten Solo-Album »Hairless Toys«. Acht Jahre ist es her, dass Murphy, die ehemalige Sängerin von Moloko mit ihrem letzten Album »Overpowered« in die housige 80iger Jahre Disco einlud. Die Discokugel dreht sich zwar immer noch auf dem Album »Hairless Toys«, dennoch ist die Saalbeleuchtung etwas zurückgenommen. Scheu wippend im Takt der Musik zieht sie alle Blicke auf sich. Die 42jährige Róisín Murphy behält dabei einen kühlen Kopf, lässt ihre samt-weiche Stimme über die pluckernden Beats und nervösen Rhytmuswechsel gleiten. Und sie lässt sich Zeit in den acht Songs auf dem Album. Im 9-Minuten Song »Exploitation« geht sie der Frage nach, wer hier wen ausnutzt und bettet das Ganze in ein minimalistisches House-, Pop-, Soul- und Jazz-Fundament. So wirken die Songs auf »Hairless Toys« auch etwas introvertierter, ganz im Gegensatz zu ihren Welt-Hit »Sing It Back«, den sie mit Moloko geschrieben hat. Mit »Hairless Toys« von Róisín Murphy tanzen wir für einmal nicht im Stroboskopgewitter der Grossraumdisco, es funktioniert auch daheim in der Stube.

Freitag, 15. Mai, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »Hairless Toys« von Róisín Murphy


mehr Infos zum Album der Woche findest du hier.

Róisín Murphy - Exploitation

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

Album der Woche KW 20/2015

Patrick Watson

Love Songs For Robots

Ganz langsam taucht es am Horizont auf und kommt dann immer näher: das fünfte Album vom Kanadier Patrick Watson »Love Songs For Robots« ist gigantisch, aber trotzdem filigran. Die leichte Orchestrierung schafft eine gewaltige Grundstruktur, während zahlreiche Details – wie einige Steelguitar-, Klavier- und Bläser-Einsätze – da und dort an die Oberfläche treten. Patrick Watson führt Kammer-Pop mit Folktronica zusammen und lässt darüber seine einfühlsame Kopfstimme schweben. Er schafft es perfekt, den gewaltigen Sound mit seiner Stimme zu kombinieren, ohne dabei unterzugehen. Im Song »Bollywood« setzen die dezenten elektronischen Beats eine Konstante; Stimme und Orchestrierung aber, bäumen sich auf und schwellen ab, wie die Brandung an einer felsigen Küste. Patrick Watson entführt einen mit seinem neuen Album »Love Songs For Robots« auf eine Unterwasserreise vor die Küste Kanadas. Einmal wird man von der Strömung der Musik mitgezogen, dann wieder vom leichten Seegang hin und her geschaukelt, während immer wieder lumineszierende Wesen auftauchen und in der Dunkelheit der Tiefe verschwinden.

Freitag, 08. Mai, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums »Love Songs For Robots« von Patrick Stewart

mehr Infos zum Album der Woche findest du hier.

 

Patrick Watson - Places You Will Go

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

Album der Woche KW 19/2015

Mikal Cronin

MCIII

Opulent und reichlich ausgeschmückt beginnt das dritte Solo-Album »MCIII« von Mikal Cronin. Der Kalifornier ist ein Tausendsasser und beteiligt sich an vielen Bandprojekten, allen voran Ty Seagull, bei welchen er Bass spielt. Die Einflüsse der verschiedenen Bandprojekte scheinen den studierten Multiinstrumentalisten inspiriert zu haben: »MCIII« ist so einfallsreich wie kein anderes seiner Vorgängeralben. Melodien und Harmonien auf »MCIII« sind wie ein Sommerregen auf der Haut, überraschend und erfrischend. Das Grundmetrum der Songs ist treibend, ohne hektisch zu sein. Aber auch melancholische Seelen kommen auf »MCIII« nicht zu kurz: der Song »I’ve Been Loved« beflügelt jede sentimentale Gefühlsregung mit akustischen Gitarren und fulminanten Streichern. Das Stück »Say« besticht durch ein ausgetüfteltes Arrangement; ein treibender Bass, akustische und verstärkte Gitarren und hier und da ein Bläsersatz. Der Facettenreichtum von Cronins Musik wird vor allen Dingen durch die reichhaltige Instrumentierung erzeugt: Orgel, Saxophon, Klavier und Geigen sind wohlplatzierte Zugaben. Mit »MCIII«  ist Mikal Cronin eine eingängige Rock-Symphonie gelungen.

Freitag, 01. Mai, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »MCIII« vin Mikal Cronin


mehr Infos zum Album der Woche findest du hier.



 

Mikal Cronin - Peace of mind

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

ALBUM DER WOCHE KW 18

Alabama Shakes

Sound & Color

Von kratzig bis samtweich - die Soul-Stimme von Alabama Shakes Sängerin Brittany Howard geht tief unter die Haut. Mit ihrem zweiten Album »Sound & Color« verfeinert das Quartett aus Athens/Alabama ihren Südstaaten Gospel-Blues-Rock und legen nach dem Debüt »Boys and Girls« von 2012 noch eine Schippe drauf. Neben der souligen Stimme von Brittany Howard liegen die Stärken des Albums aber auch in der spielfreudigen Gitarrenarbeit verborgen. Diese werden hier und da verzerrt und manchmal mehrstimmig übereinander gelappt. Alabama Shakes vermengen auf »Sound & Color« traditionsreiche Musikelemente aus Stilen wie Americana oder Blues Rock, Gospel oder Garage. Obwohl die Verwurzelung innerhalb der amerikanischen Rockmusik hörbar ist, ist »Sound & Color« trotzdem hochmodern. Jeder Track auf dem Album besitzt nämlich seine ganz eigene Soundästhetik. So ist der Song »The Greatest« eine Mischung aus Garage und Blues, auf »Future People« mixen sie Gospel-Elemente mit einem wuchtigen Fuzz-Bass. »Sound & Color« von Alabama Shakes ist mit ihrer musikalischen Stil- und Farbenpracht ein Hörgenuss gelungen, der absolut nach „Now“ klingt.

LIVE: Donnerstag, 09. Juli 2015, Montreux Jazz Festival

Freitag, 24. April, 17.00 Uhr
Live-Übertragung vom Stadtmuseum Aarau
Vorstellung des Albums der Woche »Sound & Color« von Alabama Shakes

mehr Infos zu Alabama Shakes findest du hier.

Alabama Shakes - Don't Want To Fight

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

ALBUM DER WOCHE KW 17

Waxahatchee

Ivy Tripp

Die Gitarre ächzt verzerrt, schleppende Orgelakkorde setzen ein, bis schlussendlich all diese Klänge miteinander verbunden werden von einem klaren, präsenten Gesang. So beginnt das Album »Ivy Tripp«. Kontraste sind auf dem dritten Album »Ivy Tripp« der amerikanischen Band Waxahatchee Programm. Es ist ein Album geworden, das in etwa so verschachtelt und neu klingt, wie der Bandname selbst. Hinter dem Pseudonym Waxahatchee steckt Katie Crutchfield, die früher noch mit ihrer Zwillingsschwester unter dem Namen P.S. Eliot ein Bandprojekt hatte. Mit »Ivy Tripp« wendet Crutchfield nun ihre komplette Aufmerksamkeit Waxahatchee. Das hört man auch: Das Album klingt ausgearbeitet und steckt voller Ideen. Diese Ideen sind selbst in den Songtiteln verborgen: So heisst ein Song schlichtwegs: »<«, wie das mathematische Zeichen für »grösser als«.  Grösser als so manches klingen auch die melodienreichen Songs auf »Ivy Tripp«. Mitproduziert wurde das Album von Kyle Gilbride und Keith Spencer, die aus dem engen Musikerkreis um Waxahatchee stammen. Durch diesen künstlerischen Austausch entstand eine Mischung aus experimentellen Hymnen und ruhigen Gitarrenstücken, die sofort ans Herz gehen. Dafür verantwortlich ist vor allen Dingen der dunkle, klare Gesang von Katie Crutchfield. Das Albumcover zeigt die 26-jährige Sängerin in einem Herbstwald. Ihr Blick verrät eine Mischung aus Zurückhaltung und Traurigkeit. Emotionalität ist das ausschlaggebende Stichwort auf dem Album »Ivy Tripp« und dieser sind wir komplett verfallen.

Freitag, 17. April, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »Ivy Tripp« von Waxahatchee

mehr Infos zu Waxahatchee findest du hier.

Waxahatchee - Under A Rock

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

ALBUM DER WOCHE KW 16

Young Fathers

White Men Are Black Men Too

Ein durchdringender Blick von der Bühne, die Bässe wummern und die Knie zittern. Und wenn sich die afrikanischen Rhythmen in Bewegung versetzen, schiesst eine befreite, soulige Stimme mitten ins Herz. So, und genau so fühlt man sich bei einem Konzert des Schottischen alternativen Hip Hop Trios Young Fathers. Mit »White Men Are Black Men Too« veröffentlichen sie nun einen ebenbürtigen Nachfolger zu ihrem letztjährigen Debüt-Album »Dead«. Mit dem Erstling setzten sich Young Fathers letztes Jahr beim Mercury Prize gegen Grössen wie FKA Twigs durch. Direkt nach ihrem Sieg im Oktober verschanzten sie sich in Berlin und begannen mit den Aufnahmen für »White Men Are Black Men Too«. Die Musik ist teilweise direkter und melodischer als beim Vorgänger. Die Experimentierfreude zieht sich aber konstant durch das ganze Album, weshalb die Band so einen frischen Eindruck hinterlässt. Die Beats in »White Men Are Black Men Too« haben dermassen Zug drauf, als würden sie dem kalten Berliner Winter davon ziehen und dem Sommergefühl entgegen stürmen. Der Albumtitel deutet auch auf den politischen Inhalt der Texte − Sänger Alloysious Massaquoi nimmt dazu Stellung: »Gleichheit existiert noch nicht. Ich will immer noch darüber singen, unterlegt mit der besten Musik, die wir je geschrieben haben«. Nimmt man all diese verschiedenen Aspekte von »White Men Are Black Men Too« zusammen, ergibt das Hip Hop – einfach anders.

Freitag, 10. April, 17.00 Uhr
Komet
Vorstellung des Albums der Woche »White Men Are Black Men Too« von Young Fathers

mehr Infos zu Young Fathers findest du hier.

Young Fathers – Shame

Kommentar schreiben

0 Kommentare

Antwort schreiben

beUserLogin) { $TSFE-